Waldrand Abenteuer


*Judasohr und Samtfußrübling*



Der Winter verändert die Stimmung im Wald. Wenn ich eintrete bleibe ich stehen und schaue mich gründlich um. Manchmal rascheln ganz nah die wilden Schweine, mal sehe ich ein altes Mütterchen mit einem halben Tannenbaum aus abgerissenen Ästen unterm Arm. Jogger und sogar Spaziergänger sind am Waldrand unterwegs. Ihnen begegne ich normalerweise eher nicht.

Die vorletzte Wanderung war speziell. Plötzlich stand ich vor einer Absperrung. Die Wildschweine wurden schon wieder gejagt (bei uns knallt es dauernd irgendwo) und ich musste die Richtung ändern. Ihr müsst wissen, dass ich deshalb so gut wie immer eine grell bunte Winterjacke anhabe, denn ich halte mich abseits des Weges im Gehölz auf. Jäger sind auch nur Leute, wer weiß, ob die immer ihre Brille aufhaben…

Da bin ich also einen wirklich weiten Umweg gegangen, nur um plötzlich in Baumfällarbeiten zu geraten. Gleichzeitig hörte ich die Jäger rufen, es war gruslig. Ein aufgeschrecktes Reh brach überraschend aus dem Unterholz. Schwer zu sagen, wer von uns beiden sich mehr erschreckt hat. Zuhause habe ich überlegt, ob ich vielleicht mal eine Pause machen sollte mit dem Wald?

Natürlich nicht! Würde ich keine zwei Tage aushalten.


Pilzfunde

Am Waldrand in der Nähe zu Feld und Wiese, wachsen stellenweise sehr viele Holundersträucher. Geschätzt an einem von zwanzig lassen sich die gesuchten Judasohren finden. Auricularia auricula-judae ist die korrekte Bezeichnung der Art. Dieser Baumpilz wächst das ganze Jahr über vor allem am kranken oder toten Holz des schwarzen Holunders (sambucus nigra).

Von besonderem Interesse sind für mich alte Holunderstämme, ab einem ungefähren Durchmesser von zehn Zentimetern. Bei stehendem Gehölz finde ich die Holunderschwämme meist unten am Stamm, in der Nähe des Bodens. Beim liegenden Baum können auf der ganzen Länge Pilze wachsen. Zudem sind sie hier oft gut zu sehen, da sie aufgrund der Bodennähe feucht(er) sind als weiter oben im Baum, wo sie durch den Wind gerne schon eingetrocknet sind. Dabei schnurren sie zusammen und werden dunkler.

Obwohl es sich hier nicht um einen Winterpilz handelt, ist er zu dieser Jahreszeit leicht zu sammeln. Die Bäume stehen frei von Blattwerk und auf dem Boden gibt es auch nichts weiter zu sehen, weil kaum noch andere Pilze da sind.

Ein echter Winterpilz ist dagegen Flammulina velutipes, der Gemeine Samtfußrübling. Er kommt in der Zeit von November bis März vor, wächst ebenfalls als Baumpilz und teilt sich auch mal einen Holunder mit den Judasohren. So habe ich auch meine ersten Exemplare gefunden. Ausserdem mag er Pappeln und Weiden.

Meine ersten Samtfußrüblinge waren winzig, ihr seht sie oben in der Bildergalerie. Der maximale Hutdurchmesser waren vielleicht zwei Zentimeter. Heute sind mir Büschel von großen Winterpilzen begegnet, die sicher dreimal so groß waren. Zwar ist der wunderschöne Pilz durch sein samtiges Füßchen gut gekennzeichnet, dennoch lasse ich diese Funde im Wald.

Es gibt schon so ein paar gelb-orange Baumpilze im Wald und manche sind giftig. Viele davon kenne ich schon. Doch ich möchte lieber warten, bis ich auch Galerina marginata, den tödlich giftigen Nadelholz-Häubling (wächst auch mal an Laubholz) zweifelsfrei erkennen kann. Flammulina velutipes hebt sich optisch von diesen Pilzen ab, Sicherheit geht aber immer vor.

Du kannst überall lesen, dass der Winterpilz nicht zu verwechseln ist, weil es zu seiner Erscheinungszeit einfach keine ähnlichen Pilze gibt. Das kann ich nicht bestätigen. Letzte Woche habe ich Stockschwämmchen gefunden und heute andere nicht näher bestimmte gelbe Baumpilze (unten rechts im Bild).

Eine Art fehlt mir bislang noch im Trio der im Winter wachsenden Pilze. Leider konnte ich auch heute wieder keine Austern-Seitlinge finden. Dieser von Oktober bis März vorkommende Pilz braucht erst Frost, damit er dann bei gemäßigteren Temperaturen wachsen kann. Angeblich wächst er besonders gern auf Rotbuchen, Pappeln und Weiden.

Pleurotus ostreatus lässt sich bitten! Wir haben hier sehr ausgedehnte Buchenwälder mit so einigen uralten, modrigen Buchenstümpfen. Frost gab es schon. Er will nicht. Auch will er nicht an unseren Pappeln und Weiden wachsen. Da heißt es geduldig sein und warten auf den vornehmen Gesellen.

Auf dem Rückweg über die Wiesen habe ich mich heute über den vielen Oregano gefreut, der gerade so schön wächst. Fast wie im Frühling.



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