HexenPilz


*Von Gelb zu Blau*



Nach einer doppelten Portion Großfamilienchaos, hatten meine geplagten Nerven eine Auszeit nötig.

Ruhe und Frieden fand ich schnell im Wald, er schluckte sofort die wilden Geräusche der Kinder. Auf der Wiese am Waldrand konnte ich sie noch hören…

Nach fünf Minuten wurde ich an einem meiner Hexenpilzplätze fündig. Etwas angenagt, ansonsten in bestem Zustand, der erste potentiell essbare Röhrling des Jahres!

Neoboletus luridiformis, zu Deutsch „Flockenstieliger Hexenröhrling“ kündigt in seinem Namen gleich drei wichtige Bestimmungsmerkmale an. In der kleinen Galerie unten könnt ihr die Merkmale bestimmt gut erkennen.

1) Es ist ein Röhrling.

Die Unterseite des Hutes trägt die Röhrenschicht, die wie ein Futter mit kleinen Poren erscheint. Sie ist bei diesem Pilz von unten betrachtet rotorange und hebt sich von der gelben Farbe des Hutfleisches ab. Im Querschnitt seht ihr, wie die gelben Röhren (die in rotorange farbenen Röhrenmündungen enden), am Hut angewachsen sind. Die Linie dazwischen, also der Röhrenboden, ist gelb.

2) Es ist ein Hexenröhrling.

Die zwei bekanntesten Vertreter, die gleichwohl nicht zur selben Gattung gehören, sind der Flockenstielige Hexenröhrling (Neoboletus luridiformis) und der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus). Ihre Farbgebung ist sehr ähnlich. Also brauner Hut, rote Röhrenmündungen, gelb-roter Stiel, gelbes Fruchtfleisch, starkes Blauen bei Verletzung.

Viele andere Pilze sind bunt, blauen und sehen „hexig“ aus. Darunter auch tödlich giftige wie der Satanspilz (Rubroboletus satanas) und seine Verwandten, sowie weniger giftige wie der Schönfußröhrling (Caloboletus calopus).

Bei diesen anderen Pilzen sind die Farben immer etwas anders gemischt. Und es gibt ein gutes Unterscheidungsmerkmal: Das Stielnetz.

3) Es ist ein Flockenstieliger Hexenröhrling.

Der Stiel ist überzogen von feinen, unregelmäßigen, nicht abstehenden flockenförmigen Punkten. Sobald ein Netz den Stiel überzieht, wird es für den ungeübten Sammler gefährlich.

Nicht immer ist das Netz gut zu sehen. Hat man den Pilz als Hexenpilz erkannt, hilft auch die Farbe des Röhrenbodens. Beim Netzstieligen Verwechslungspartner ist er rot, was im Querschnitt gut zu sehen ist. Bei ihm ist die Stielbasis, gern mit Farbverlauf vom Gelben ins Rötliche gefärbt, nicht gleichmäßig gelb.

Achtung: Manchmal ist das Netz nicht eindeutig zu erkennen und eine Verwechslung möglich.

Während der Flockenstielige Hexenpilz ein ausgezeichneter Speisepilz ist, wird sein netzstieliger Freund nur unter Vorbehalt gesammelt. Es halten sich alle möglichen Gerüchte über seine schlechte Bekömmlichkeit.

Auch ich halte mich lieber an den heute vorgestellten Röhrling. Er ist sehr häufig bei uns, sehr lecker, fast immer ohne Würmer und lässt sich wunderbar verwerten. In der Literatur wird sein Speisewert – zurecht – oft mit dem des Steinpilzes verglichen.



Nun muss ich mich ein bisschen bremsen und fasse deshalb nur kurz die weitere Wanderung, beziehungsweise kleinen Entdeckungen zusammen.


Sieht ganz nach einem Dachpilz aus…

Wildkirsche neben Samtmilbe = Herzallerliebst


Zum guten Schluss ein überständiges Exemplar eines Hexenpilzes.

Daran haben schon mindestens drei Tiere ihre Freude gehabt. Die kleinen noch hellen Kerben sind von Schnecken reingeraspelt, die schon rot nachgedunkelten länglichen von einem kleinen Nagetier (Maus?) und die Maden sind auch schon da!



3 Kommentare Gib deinen ab

  1. pflanzwas sagt:

    Da hatte ja jemand schon ordentlich Hunger 😉 Und das letzte Exemplar sieht sehr nach Kunst aus, hihi. Diese Farbwechselspiele sind ja irre. Dieses Blau, krass irgendwie. Danke für die vielen Infos. Es ist schon interessant, was man alles beachten muß. Ich halte mich da lieber zurück. Dir wünsche ich guten Appetit!

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    1. Eva Zimmer sagt:

      Dankesehr. Mein Mann hat heute Spätzle mit Pilzsauce für uns damit gekocht 🙂

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      1. pflanzwas sagt:

        Mmmmh, lecker!!!

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