PilzÜberstand

am

*Stinkmorchel, Goldschimmel und Co.*



Alte, gammlige und ungenießbar gewordene Pilze werden in der Fachsprache als überständig bezeichnet.

Ein gutes Beispiel bildet der obige Gemeine Rotfußröhrling (Xerocomellus chrysenteron), der offensichtlich schon zu lange stand. Frische Rotfußröhrlinge sammle ich sehr gerne, denn ich liebe ihren Geruch geradezu! Sie geben jedem Pilzgericht eine frisch-säuerliche (jetzt nicht an Zitronen denken) Note, ich freue mich schon wieder darauf.

Ein anderer Pilzsammler hat mich darüber aufgeklärt, dass dieser Pilz von modernen Menschen gar nicht mehr gesammelt würde – schließlich schmecke er gar nicht so toll und habe manchmal gefährlichen Golschimmel dran, dann lieber Finger weg.

Darüber setze ich mich ganz kulant hinweg. Erstens: Bitte probieren, dann Urteil fällen. Zweitens: Gammelpilze kann man nie essen, egal von welcher Art. Drittens: Bilder oben anschauen – so sieht er aus, wenn er nicht mehr lecker ist.

Das Alter des Pilzes kann nicht nur durch haptische Merkmale (weich, schmierig), Geruch (bäh) und grün-matschig gewordene Röhrenschicht, sondern auch durch am Stiel (oder am ganzen Fruchtkörper) vorhandenen Schimmel erkannt werden.

Goldschimmel beginnt weiß und wird dann, wie der Name schon sagt, irgendwann goldgelb. Ist übrigens seinerseits ebenfalls ein Pilz und befällt mit Vorliebe Rotfußröhrlinge.



Oben seht ihr einen überständigen Perlpilz (Amanita rubescens), gut gekennzeichnet durch seine Knolle, die roten Töne (Fraßstellen, Stielbasis) und den stark gerieften Stielring.



Noch frisch präsentierten sich zwei Stinkmorcheln (Phallus impudicus), die als Hexenei eine Delikatesse sein sollen. Ausgewachsen verbreiten sie einen ekligen süßen Geruch, der ganze Wald hat gestunken. Und die Optik erst …



Reste von zwei mutmaßlichen Frauentäublingen (Russula cyanoxantha) mit ordentlich Schneckenfraß.



„Schon wieder!“ werdet ihr denken.

Ja, der Wald ist voll von Schleimpilzen, besonders der Gelben Lohblüte(Fuligo septica) .

Bei den aktuellen Aufnahmen gefällt mir besonders, dass man das netzige Plasmodium (Stadium vor der Fruchtkörperbildung) zusammen mit dem Fruchtkörper sehen kann (Bild 1). Auf Bild 2 ist um den Pilz herum ein weißes Gespinst, das Capillitium zu sehen. Es kommt gemeinsam mit dem Fruchtkörper des Pilzes vor und dient (das muss ich noch genauer herausfinden) wohl auch der Verbreitung des Pilzes.

Abschließend sei darauf hingewiesen: Von überständig gesammelten Pilzen geht ebenso wie von frisch gesammelten Giftpilzen (zu Speisezwecken) erhebliche Gefahr aus. Gammelige Pilze sind giftig!


Zum Sammeln gab es am gestrigen Tag ein halbes Singdrosselei und zwei Waldkauzfedern.

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