WaldPilzRaten

am

*Ja wer bist du denn?*


Der Heimatwald bringt nun wieder eine große Vielfalt an Pilzen hervor, wenngleich Röhrlinge noch auf sich warten lassen. Diese Woche führte mich meine Wanderung in den Windschatten eines älteren Herrn, der mit Papiertüte bewaffnet eine Schneise der Pilzverwüstung hinterließ.

Dabei war er sehr rabiat und machte alle Pilze, die er sehen konnte kaputt. In meinen Korb konnte ich also leider nicht viele, sondern nur Einzelexemplare von Reizkern aufnehmen. Auch Täublinge lagen überall zerrupft herum.

Eine gesunde Neugierde bei der Pilzbestimmung ist selbstverständlich. Dennoch – Aber halt, muss ich das erklären!?

Was noch übrig war, hat für mein Wohlbefinden ausgereicht und ich freue mich auch im Nachhinein noch über die schönen Funde.



Neben Fliegenpilzen aus der Gattung Amanita ist mir ein Pärchen Grauer Wulstlinge (Amanita excelsa) im morgentauen Gras begegnet, das perfekter nicht hätte sein können. Ein völliges Fehlen roter Farbtöne schloss aus, dass es sich um Perlpilze (Amanita rubescens) handelte. Der geriefte Stielring sorgte für die Unterscheidung zum Pantherpilz (Amanita pantherina). Die Stielbasis (Knolle) würde natürlich ein weiteres Bestimmungmerkmal liefern. Darauf habe ich aber verzichtet, der Anblick war einfach zu schön.


Ist er nicht schön? Ein NoName-Pilz für mich, vielleicht weiß jemand von euch jemand auf Anhieb, was wir hier vor uns sehen?


Täublinge waren da viele. Leider wie schon beschrieben fast alle in nicht mehr sammelfähigem Zustand. Von den drei gezeigten habe ich den ersten mitgenommen. Es handelt sich um einen Speisetäubling (Russula vesca), gut erkennbar an seinem fleischfarbenen Hut und seinem Rand. Die Huthaut bedeckt die Lamellen nicht vollständig, so dass man diese von der Seite sehen kann – ein leicht kenntlicher Vertreter der Gattung Russula.


Nun zu den Reizkern, sie wachsen sehr gerne am Wegrand und unten am Hang. Reizker sind Milchlinge (Lactarius), die gemeinsam mit Täublingen (Russula) die Gruppe der Sprödblättler bilden. Sie zeichnen sich (abgesehen von wenigen Ausnahmen:) durch brüchiges Fruchtfleisch und Lamellen aus. Milchlinge sondern zudem an verletzten Stellen einen Milchsaft aus.

Ist der Pilz orange und die Milch auch, so handelt es sich um einen essbaren Pilz. In Deutschland gibt es vier hauptsächlich vorkommende Arten, von denen ich an diesem Tag zwei gefunden habe. Der Edelreizker (Lactarius deliciosus) und der Spangrüne Kiefernreizker (Lactarius semisanguifluus) kommen bei Kiefern vor.

Bei mir gab es auf der einen Wegseite Fichten, dort fand ich Fichtenreizker (Lactarius deterrimus) zu sehen auf dem ersten Bild der Galerie und zwei mal rechts.

Auf der anderen Seite wuchsen Lachsreizker (Lactarius salmonicolor) unter Weistannen.

Da Reizker immer in Symbiose mit festen Baumpartnern leben, ist die Bestimmung hier sehr einfach und der Bewuchs eine gute Ergänzung zur makroskopischen Untersuchung.



Nicht weniger niedlich als kleine Mistkäferchen kamen an einem dunklen kleinen Bachlauf einige Violette Lacktrichterlinge (Laccaria amethystina) aus der Erde. Sie sind essbar und leicht kenntlich, reichern aber je nach Standort Arsen in sich an, weshalb ich in meinem Sammelgut auf ihre Pracht verzichte.


Voll war mein Korb nach der Wanderung zwar nicht, aber die Speicherkarte…

Neben den gezeigten Speisepilzen (Reizker, Täublinge), haben wenige Pfifferlinge (unfotogen), ein Semmelstoppelpilz, ein Rotfußröhrling und ein Goldröhrling Platz gefunden.

Ps. Das Titelbild zeigt Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare), die jetzt sehr zahlreich vertreten sind und der Dunkelheit des Waldes mit ihrem Leuchten eine besondere Aura verleihen.



6 Kommentare Gib deinen ab

  1. pflanzwas sagt:

    Eine schöne Sammlung! Was du aber auch alles für interessante Pilze findest. Hier sind jetzt auch welche zu sehen, aber vielfach die am Totholz. Daß jemand beim Sammeln so rüpelhaft vorgeht ist extrem schade!

    Gefällt 1 Person

    1. Eva Zimmer sagt:

      Manche sind so sammelwütig! Die kennen da nix.

      Gefällt 1 Person

  2. naturfund.de sagt:

    Eine wirklich ansehnliche Pilzsammlung mit sehr gelungen Bildern und du kennst dich auch noch so gut aus 🙂 Da muss ich nur bei dir vorbeischauen und lerne gleich ein paar neue Pilze kennen, ohne in meinem Buch blättern zu müssen.

    Gefällt 1 Person

    1. Eva Zimmer sagt:

      Gut auskennen ist relativ. Du weißt ja nicht, wie viele Pilze ich weglasse 😉
      Welches Buch benutzt du denn?

      Gefällt 1 Person

      1. naturfund.de sagt:

        Haha, das kenne ich durchaus. Ich besitze seit dem Sommer das 1.700 Pilze Buch von 123pilzsuche.de, da ich es ganz schöne finde, einfach mal zu blättern und mich inspirieren zu lassen. Das digitale Blättern und Suchen finde ich beizeiten anstrengend.

        Gefällt 1 Person

      2. Eva Zimmer sagt:

        Davon habe ich schon gehört. Bin da noch digital unterwegs, weil man auf der Seite so gut die Verwechslungspartner finden kann.
        In Pilzbüchern stöbern finde ich auch immer schön. Es freut mich immer wieder, Menschen zu finden, die dieses Hobby teilen. Netten Gruß an dich 🙂

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s