WinterKleid


*Giftpilze, Heilpilze und Springschwänze*



Ein merkwürdiger Giftpilz ist er, der Gemeine Spaltblättling (Schizophyllum commune). Kein Gift ist es, vor dem wir uns fürchten müssen, auch kann er kaum mit einem Speisepilz verwechselt werden. Aber daran zu riechen und ihn anzufassen ist gefährlich.

Seit ich in meinem Nachschlagwerk (Giftpilze/Flammer/2014) gelesen habe, das die Sporen dieser Art nicht nur unter den Fingernägeln, sondern auch in den Atemwegen, der Lunge bis hin zum Gehirn keimen können, habe ich begonnen den Spaltblättling mit anderen Augen zu betrachten.

Falls die Sporen also in den menschlichen Organismus gelangen und dort freudig die Vermehrung versuchen, führt dies zu chronischen Entzündungen an Ort und Stelle.

Könnt ihr euch vorstellen, wie oft ich schon welche angefasst habe? Bestimmt habe ich früher auch mal eine Geruchsprobe genommen? Andererseits fühle ich mich noch ganz normal…


Als Heilpilz gegen alles Übel dieser Welt macht das Judasohr (Auricularia auricula-judae) von sich reden. Zusätzlich schmeckt es lecker in Gemüsesauce mit Glasnudeln, wodurch es für mich erst recht interessant wird.

Heute war ein ergiebiger Tag, denn es hat kräftig geregnet, was die Judasohren aufquellen lässt. Sie sind dann besser zu sehen, als im getrockneten Zustand (Volumen verkleinert sich um mehr als die Hälfte). Leider, oder zum Glück – genau kann ich es nicht sagen – entdeckte ich zuhause auf dem Bildschirm jede Menge Springschwänze (Galerie/Bild 3) auf einem Pilz, den ich auch eingesteckt habe.

Schimmel (Galerie/Bild 2) konnte ich nachträglich auch noch erkennen, das war’s dann wohl mit der Asia-Pfanne 😉


Freuen konnte ich mich über den Fund von nicht ganz typischen Samtfußrüblingen (Flammulina velutipes). Die Stiele waren bei diesen Exemplaren natürlich samtig überzogen, wie es sich gehört, der Farbverlauf von dunkler Stielbasis hin zur hellen Stielspitze fehlte aber. Das könnte durchaus daran liegen, dass die Pilze in ihrem Astloch gut vor zuviel Tageslicht geschützt herangewachsen sind.

Dies sind echte Winterpilze, da sie den Kältereiz von Temperaturen um den Gefrierpunkt benötigen, um mit dem Wachstum zu beginnen. Bei Frost setzt bei diesem Pilz (wie auch beim Judasohr) nicht die Zersetzung ein. Er kann jederzeit gesammelt werden, auch gefroren.

Wie das Judasohr, wird der Gemeine Samtfußrübling in der Volksmedizin als Heil- und Vitalpilz für verschiedene Anwendungen empfohlen.


Unterhalb des Baumstumpfes, auf dem ich die leuchtenden Samtfüßchen fand, in all dem Dornengestrüpp ein weiteres, zaghafteres Leuchten.

Die in etwas fünf Millimeter großen Tiegelteuerlinge (Crucibulum laeve) und ihre puschelgelbe Ausgangsform waren bei Regen ein herausforderndes Fotoprojekt.

Die Sporenmasse befindet sich bei dieser Art in den linsenförmigen Plättchen. Während die Bezeichnung Tiegelteuerling auf die Assoziation mit Schüsseln voller Geld schließen lässt, finde ich die englischprachige Bezeichnung „birds nest fungi“ viel passender.

Ist noch jemandem aufgefallen, dass heute alle Funde der Tour eine samtig-filzige Oberfläche haben? Ein Winterkleid für Pilze.


8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christian W. sagt:

    Ich bin mal wieder völlig fasziniert von einer fremden Welt …

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    1. Eva Zimmer sagt:

      … geht mir auch so! Netten Gruß an dich 🙂

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  2. naturfund.de sagt:

    Unglaublich interessant, angefangen bei der Giftigkeit der Sporen des Spaltblättlings, dem ich auch gern mal auf die Pelle rücke, über die von mir sehr geschätzten Judasohren (sie können so vielfältig aussehen) bis hin zu den fantastischen, winzigen Tiegelteuerlingen. Welch wunderbare englische Bezeichnung! Nach einem ähnlichen Fund suche ich noch 🙂

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    1. Eva Zimmer sagt:

      Tiegelteuerlinge sollen sehr häufige Pilze sein. Sie werden oft übersehen. Diese hier habe ich auf der abgefallenen Rinde einer Buche gefunden, unter Brombeeren. Viel Erfolg bei der Suche!

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      1. naturfund.de sagt:

        Oha. Danke für den Hinweis. Es lohnt sich also, nochmal genauer hinzuschauen.

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  3. pflanzwas sagt:

    Auch alles schön. Der Gemeine Spaltblättling ist hier häufiger zu sehen. Da habe ich kürzlich erst angefangen, an Pilzen zu schnuppern…da lasse ich das doch gleich lieber wieder. Ist ja gruselig! Die Tigerteuerlinge sind auch allerliebst! Und die Ohren, die wirklich oft sehr! nach Ohr aussehen, lach!

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    1. Eva Zimmer sagt:

      Oh, es ist wirklich kein schöner Gedanke, von Waldpilzen befallen zu sein. Ich muss da gleich an das Phänomen der Kernkeulen denken, brrrr.

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      1. pflanzwas sagt:

        Ja, wirklich huaaa und urgs, um es mal platt zu sagen…nee, dagegen sind Horrorfilme angenehmer.

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