BaumPilze


*Essbare Winterpilze und populäre Irrtümer*


Becherförmiger Haargallertpilz (Guepiniopsis buccina)

Im Mittelpunkt der winterlichen Suche steht Totholz. An ihm und aus ihm heraus wachsen Winterpilze. Ein paar Arten kann ich euch heute wieder zeigen.

Auf dem ersten Bild brechen die kleinen Fruchtkörper des Becherförmigen Haargallertpilzes (Guepiniopsis buccina) aus der Baumrinde eines gefallenen Laubbaumes. Im Januar diesen Jahres ist er mir zuletzt begegnet, er ist als selten eingestuft.

Essbar sind die gelben Mini-Pilze nicht.


Dies wird auch vom Gelbstieligen Muschelseitling (Panellus serotinus) behauptet. Natürlich spreche ich hier keine Verzehrempfehlung aus, dennoch ist dieser Pilz für uns ein willkommener Winterpilz. Im Internet kursieren die krudesten Theorien, den Muschelseitling betreffend. Meine ausgiebige Recherche konnte keine wissenschaftliche Quelle zu Tage fördern, die irgend eine Aussage über die Giftigkeit dieses Pilzes macht. Bei der DGfM ist er als Pilz mit uneinheitlich eingeschätztem Speisewert aufgeführt. Angeblich wäre er muffig und bitter.

In der Literatur werden oft unterschiedliche Angaben über den Speisewert einzelner Arten gemacht. So lange man sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert und der Pilz nicht giftverdächtig ist, macht für mich eine Kostprobe manchmal Sinn.

Bisher ist mir noch kein bitterer Vertreter der genannten Art untergekommen – im Gegenteil schmeckt er jung sehr gut und würzig. In einer Suppe oder Sauce zusammen mit anderen Winterpilzen ein gutes und gesundes Mahl.


Über jeden Zweifel erhaben sind die sehr begehrten Samtfußrüblinge (Flammulina velutipes), welche gerade unter der Rinde einer alten Buche hervorbrechen und einen anderen liegenden Baumstamm schon zur Gänze erobert haben.

Immer wieder wird dieser Pilz als „Enoki“ bezeichnet, der sich in Asien größter Beliebtheit erfreut. Auch das ist eine Unschärfe, die in Sammlerkreisen völlig unhinterfragt übernommen wurde. Der Enokitake (Flammulina filiformis) ist eine asiatische Art aus der gleichen Gattung. Ein Zuchtpilz, der bei uns nicht heimisch ist.


In unseren Wäldern wachsen noch mehr Pilze, die wir aus dem Supermarkt zu kennen scheinen: Austernseitlinge (Pleurotus ostreatus) drängen sich an dieser alten Buche ans Tageslicht.

Schon beim Abschneiden (die Stiele sind zäh und sind kaum vom Baum ab zu bekommen) steigt einem der unvergleichliche starke Duft in die Nase. Ich freue mich schon sehr aufs Kochen!

Darauf wartet die Ernte in der Tiefkühlung, denn Austernseitlinge (wie auch Samtfußrüblinge) sind ohne Qualitätsverlust durch Einfrieren haltbar zu machen.



Obwohl ihr jetzt schon viele Bilder von Judasohren (Auricularia auricula-judae) bei mir gesehen habt, muss ich euch neue davon zeigen. Sie sind so süß!

Ihr Verwechlungspartner ist mir ein paar Meter nebenan auch begegnet: der Gezonte Ohrlappenpilz (Auricularia mesenterica). Während er von unten betrachtet durchaus Ähnlichkeit mit seinem Verwandten hat, ist von oben betrachtet jede Verwechslung ausgeschlossen. Wo das Judasohr samtig-weich und farblich einheitlich ist, hat er eine gezonte, striegelig-filzige Oberfläche.

Ein sehr entdeckungsreicher Vormittag liegt hinter mir. Wie schön, dass ich auch abends noch etwas davon habe, indem ich meine Freude mit euch teilen kann 🙂

Herzlichen Gruß an alle, die sich mit mir freuen!

Gezonter Ohrlappenpilz (Auricularia mesenterica)

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. pflanzwas sagt:

    Alles wieder sehr interessant und so schöne Funde. Ich bin begeistert. Du hast mir gerade bei einer Bestimmung geholfen, juhu. Der Gelbstielige Muschelseitling begegnet mir hier derzeit zu Hauf und er wird gerade schön groß. Ich habe schon ein Weilchen gesucht. Ich finde, der sieht von oben aus wie aus Stein. Der gezonte Ohrlappenpilz (wer hat sich den Namen ausgedacht?!) sieht ja schrill aus. Die Judasohren finde ich auch immer schön, aber auch die gelben „Öhrchen“ sind toll! Danke fürs mitnehmen 🙂

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  2. Eva Zimmer sagt:

    Gemeinsam über Pilze freuen ist immer super! Wenn es geregnet hat spiegelt sich auf der Huthaut des Gelbstieligen Muschelseitlings der Wald, auf der glitschigen Oberfläche bleibt eine spiegelglatte Wasserschicht stehen. Ein toller Pilz – freut mich, dass du auch fündig geworden bist. Lieben Gruß 🙂

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  3. pflanzwas sagt:

    Deine Antwort wurde mir gar nicht angezeigt, na sowas. Deine Beschreibung der Spiegelung ist absolut zutreffend, so empfinde ich das auch. Ich finde, er sieht ein bißchen aus wie ein Stein!

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